Vor verschlossenen Türen: Kitas im Rhein-Kreis Neuss mussten 373 mal ganz oder teilweise schließen

Christina Borggräfe (Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion) und Bundestagsabgeordneter Daniel Rinkert (Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes)

Auf Nachfrage der SPD-Fraktion hat die schwarz-grüne Landesregierung im Familienausschuss des Landtags Nordrhein-Westfalen aktuelle Zahlen zu (Teil-)Schließungen von Kindertageseinrichtungen vorgestellt. Die Daten beziehen sich auf den Zeitraum Januar bis November 2025 und zeigen auch für den Rhein-Kreis Neuss eine besorgniserregende Entwicklung.

Dazu erklärt Christina Borggräfe, Fraktionsvorsitzende der SPD im Rhein-Kreis Neuss:

„Der Höhepunkt der Schnupfen- und Erkältungswelle steht noch aus und der Dezember ist noch gar nicht eingerechnet. Dennoch gab es in diesem Jahr bereits 961 Meldungen über personelle Unterbesetzungen. Davon waren 158 Kitas von insgesamt 288 Einrichtungen im Rhein-Kreis Neuss betroffen. 373-mal mussten Kitas sogar ganz oder teilweise schließen.

Das ist gleich ein dreifaches Problem: Eltern verlieren die verlässliche Betreuung ihrer Kinder, Kinder verlieren wichtige Chancen frühkindlicher Bildung und Beschäftigte verlieren das Vertrauen, dass auch an ihre Gesundheit gedacht wird. Mit steigender Belastung wächst zudem das Risiko langfristiger Erkrankungen.“

Als konkrete Entlastung für die Einrichtungen spricht sich die SPD für trägerübergreifende Vertretungsregelungen mit qualifizierten Springerkräften aus.

„Rheinland-Pfalz zeigt, dass solche Modelle landesweit funktionieren können. Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es mit Velbert bereits ein kommunales Beispiel. Wichtig ist mir dabei, dass weiterhin auf qualifizierte Betreuung geachtet wird. Klar ist aber auch: Das Land wird diese Strukturen finanziell unterstützen müssen. Als SPD werden wir hierzu konkrete Finanzierungsvorschläge vorlegen“, so Borggräfe weiter.

Scharfe Kritik übt die SPD an den aktuellen Plänen der schwarz-grünen Landesregierung zur Überarbeitung des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz).

„Größere Gruppen, weniger Fachkräfte und kürzere Betreuungszeiten lösen die Probleme nicht – sie verschärfen sie. Wenn künftig nur noch fünf Stunden fachkraftgebundene Betreuung garantiert werden sollen und alles darüber hinaus von den Budgets der Träger abhängt, entsteht eine Kita-‚light‘. Das lehnen wir entschieden ab“, betont Borggräfe.

Unterstützt wird diese Position von Daniel Rinkert, Parteivorsitzender der SPD im Rhein-Kreis Neuss und Bundestagsabgeordneter (MdB):

„Mehr als 95 Prozent der Kinder in Nordrhein-Westfalen verbringen über 25 Stunden pro Woche in der Kita – landesweit sind das über 620.000 Kinder. Nahezu alle Familien wären von den Kürzungsplänen der Landesregierung betroffen. Auch im Rhein-Kreis Neuss brauchen Eltern Verlässlichkeit, um Beruf und Familie vereinbaren zu können. Gute frühkindliche Bildung braucht ausreichend Personal, klare Standards und eine verlässliche Finanzierung durch das Land.“

Die SPD im Rhein-Kreis Neuss kündigt an, sich auf kommunaler, landes- und bundespolitischer Ebene gegen eine Absenkung der Betreuungsqualität einzusetzen.

„Wir werden mit aller Kraft dafür kämpfen, dass dieser Gesetzentwurf noch grundlegend korrigiert wird – im Interesse der Kinder, der Eltern und der Beschäftigten in unseren Kitas“, so Rinkert abschließend.