Der SPD-Bundestagsabgeordnete Daniel Rinkert und der Vorsitzende der SPD Neuss, Heinrich Thiel, warnen eindringlich vor den Folgen einer anhaltenden strukturellen Unterfinanzierung der Landestheater in Nordrhein-Westfalen. Anlass ist die weiterhin ungeklärte finanzielle Situation des Rheinisches Landestheater, die auch im jüngst veröffentlichten Interview der Theaterleitung deutlich wurde.
„Kultur ist ein zentraler Pfeiler von Teilhabe und Demokratie – gerade im ländlichen Raum“, erklärt Rinkert. „Das Rheinische Landestheater leistet seit Jahrzehnten herausragende Arbeit: mit hoher künstlerischer Qualität, großem persönlichem Einsatz der Beschäftigten und einer enormen Reichweite über die Stadtgrenzen hinaus. Dieses Engagement darf nicht durch politische Untätigkeit gefährdet werden.“
Rinkert, der selbst regelmäßig Gast im Rheinischen Landestheater ist, hebt besonders die Arbeit der 120 Mitarbeitenden hervor: „Was hier unter schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen geleistet wird, ist beeindruckend. Dass Tarifsteigerungen seit Jahren nicht vollständig ausgeglichen werden, ist ein strukturelles Problem – und keines, das die Theater selbst lösen können.“
Deutliche Kritik richtet der Bundestagsabgeordnete und der SPD-Kreisvorsitzende an die Landesregierung aus CDU und Grünen: „Die Kulturpolitik des Landes bleibt hinter ihren eigenen Ansprüchen zurück. Ich habe mich bereits im vergangenen Jahr in einem Schreiben an die Kulturstaatsministerin gewandt – ohne erkennbare Wirkung. Es reicht nicht, Gespräche zu führen und Gutachten abzuwarten, während die Existenz ganzer Einrichtungen auf dem Spiel steht.“
Gerade für Nordrhein-Westfalen als bevölkerungsreichstes Bundesland sei eine verlässliche Kulturfinanzierung unerlässlich, ergänzt der Neusser SPD-Vorsitzende Heinrich Thiel: „Mehr als die Hälfte der Menschen lebt außerhalb der großen Städte. Landestheater sind dort oft die einzige professionelle Kulturinstitution. Wer hier spart, spart an gesellschaftlichem Zusammenhalt.“
Rinkert fordert daher eine schnelle politische Entscheidung für eine auskömmliche, planungssichere Finanzierung der Landestheater – noch vor Abschluss weiterer Gutachten. „Kultur braucht Verlässlichkeit. Ein ‚Weiter so‘ auf Kosten der Beschäftigten und der kulturellen Teilhabe ist keine Option.“
Dazu Thiel weiter: „Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich, wie wichtig eine starke öffentliche Unterstützung für unsere Theater ist“, in Neuss habe mit Marie Johannsen eine Intendantin die künstlerische Verantwortung übernommen, die als jüngste Leiterin einer deutschen Bühne hervorragende Arbeit leiste. „Die Zuschauerzahlen sind um mehr als 15 Prozent gestiegen, das zeigt, wie sehr kulturelle Qualität angenommen wird“, so Thiel.
Um diese Entwicklung nicht zu gefährden, fordert er einen vollständigen Ausgleich der bisherigen Tarifsteigerungen für die Landestheater durch das Land NRW sowie eine dauerhafte Dynamisierung der Förderung.



